Vita

Oliver Korte, geboren 1969 in Hamburg, ist seit 2006 Professor für Musiktheorie an der Musikhochschule Lübeck; seit März 2020 ist er Vizepräsident der Hochschule. Als Gastprofessor war er 2017/18 an der Johannes Gutenberg Universität Mainz beschäftigt. Vor seinem Ruf nach Lübeck lehrte er an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin und Hochschule für Musik und Theater Rostock und war wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität der Künste Berlin. Er studierte Komposition, Musiktheorie und Musikwissenschaft in Hamburg (Dieter Einfeldt), Wien (Erich Urbanner) und Berlin (Helga de la Motte-Haber). Besondere künstlerische Impulse vermittelten ihm private Studien bei Gösta Neuwirth. Er wurde 2002 mit einer Arbeit über Bernd Alois Zimmermanns Ekklesiastische Aktion promoviert.

Die Musik von Oliver Korte ist ausgesprochen physisch. Er kreiert musikalische Objekte, Texturen und Prozesse, die sich unterscheiden nach Volumen, Dichte, Oberfläche, Temperatur, Geschmack und Geruch. Manche sind wuchtig  wie  Kanonenkugeln, andere ätherisch wie Nebelschleier, manche duften nach Flieder, andere riechen nach Benzin. Kortes Arbeit kreist insbesondere um zwei Gravitationszentren: einerseits die Entwicklung individueller Raumkonzepte (so in seiner abendfüllenden Oper Copernicus, uraufgeführt 2015 in Dresden; Wiederaufnahme 2016) und andererseits die Auslotung neuartiger Text-Musik-Relationen (bspw. eine quasi dokumentarische Arbeit mit verschiedenen Textsorten in Copernicus oder Verschlüsselungstechniken in Epigramm – Kryptogramm – Piktogramm für einen sprechenden Trommler). Im gedanklichen Zentrum seiner Kompositionen steht oft die Auseinandersetzung mit der (physischen) Welt und den Optionen und Grenzen des Menschen darin (z.B. im 2007 in Krefeld uraufgeführten Schlagzeugkonzert Die Elemente oder in Ludwig W. für Vibraphon und Klarinette aus dem Jahr 2020, einem Kommentar zu Wittgensteins Tractatus).

Forschungsschwerpunkte Oliver Kortes sind moderne und zeitgenössische Musik, Kompositionstechniken um 1500 (insbesondere die Rekonstruktion fragmentarischer Werke), sowie die Musik von Ludwig van Beethoven und Gustav Mahler. Zu seinen Publikationen zählen: Mahler-Interpretationen (2 Bände, Laaber 2011, hg. zus. mit Peter Revers), Beethoven-Handbuch, Bd. 1, Orchestermusik und Konzerte (Laaber 2013, hg. zus. mit Albrecht Riethmüller) und Welt – Zeit – Theater. Neun Untersuchungen zum Werk von Bernd Alois Zimmermann (Olms 2018). Korte ist Mitgründer der Gesellschaft für Musiktheorie (GMTH) und Herausgeber der Schriften der Musikhochschule Lübeck.